Mit der Sonne durch Australien

Die Hochschule Bochum startet mit dem ThyssenKrupp SunRiser bei der Weltmeisterschaft der Sonnenwagen

 

In knapp zwei Wochen, am 18. Oktober ist es so weit. Die Bridgestone World Solar Challenge startet in Darwin im Norden des roten Kontinents. 3.000 Kilometer fahren die Teilnehmer in den Süden nach Adelaide. Mit dabei das einzige deutsche Team: 40 Studierende der Hochschule Bochum, die zusammen mit dem Forschungskooperationspartner ThyssenKrupp ein windschnittiges Elektro-Sportcoupé mit Solarenergieunterstützung entwickelt und gebaut haben. Die Konkurrenz in der auf Alltagstauglichkeit ausgerichteten Cruiser-Klasse kommt aus aller Herren Länder, auch aus der Nachbarschaft. Das niederländische Team aus Eindhoven, amtierender Weltmeister, geht mit einer Weiterentwicklung seines viersitzigen Familiensolarmobils Stella Lux an den Start. Aus Australien wird das Team Sunswift, vor zwei Jahren dritter hinter den Bochumern, mit dem modifizierten Sportwagen eVe um den Sieg kämpfen. Außerdem werden Solarcars unter anderem aus den USA, Japan, Großbritanien, Polen, der Türkei und dem Iran auf die Strecke gehen.

Letzte Vorbereitungen vor der Testfahrt

Letzte Vorbereitungen vor der Testfahrt

 

Strategie ist alles

 

Die Regeln bei diesem Wettbewerb auf öffentlichen Straßen erscheinen sehr einfach. Morgens um 8 Uhr darf man los fahren, abends um 17 Uhr muss man anhalten, egal wo man gerade am Straßenrand Platz findet. Am nächsten Tag geht es wieder um 8 los, solange bis man in Adelaide ankommt. Ein Schiedsrichter, der bei jedem Team mitfährt, überwacht, dass man alle Zeiten einhält und sich an die Straßenverkehrsregeln hält. Je nach Strecke und Geschwindigkeit kommen die Teams bis zu zweimal am Tag an Kontrollstopps vorbei. Hier muss eine halbe Stunde angehalten werden. Zeit für den Fahrerwechsel und den Tankstopp für die Begleitfahrzeuge, die noch mit Verbrennermaschinen unterwegs sind. Wie schnell man fahren kann, entscheidet die zur Verfügung stehende Energie. 60 kg Batterien an Bord speichern gut 15kWh. Einmal auf der Hälfte der Strecke in Alice Springs darf man aus dem Netz aufladen. Der Rest der nötigen Energie muss mit dem 3 qm großen Solargenerator erzeugt werden. Knapp 900 Watt Leistung bei voller Sonneneinstrahlung liefert das Panel aus Galliumarsenid-Hochleistungssolarzellen. Welche Geschwindigkeit energetisch maximal möglich ist, um möglichst schnell im Ziel anzukommen, muss das Strategieteam während des Rennens immer wied

er neu kalkulieren. Das Telemetriesystem liefert dazu aus dem Solarcar die aktuellen Verbrauchs und Ertragswerte. Eine Wetterstation mit Windmesser und entsprechende Wettervorhersagen sollen die äußeren Einflüsse mit berücksichtigen.

Der ThyssenKrupp SunRiser am Abend nach einer Testfahrt

Der ThyssenKrupp SunRiser am Abend nach einer Testfahrt

 

Eine Formel entscheidet über den Sieg

 

Wer am Ende Weltmeister in der Cruiser-Klasse wird, ergibt sich aber nicht nur aus der gefahrenen Zeit für die 3.000 km lange Strecke. Zusätzlich berücksichtigt werden die Personenkilometer, also wie viele Passagiere mitgenommen wurden. Ein Jurorengremium in Adelaide wird außerdem entscheiden, wie alltagstauglich die vorgestellten Fahrzeuge wirklich sind. Eine Formel mit entsprechenden Gewichtungsfaktoren ergibt dann den Sieger, wobei die Geschwindigkeit den größten Einfluss auf Sieg oder Niederlage hat.
Das Rennteam bereitet sich in Darwin intensiv vor. Alle Fahrzeugkomponenten werden auf die Straßen und Klimaverhältnisse abgestimmt, Fahrertraining und simulierte Reparaturstopps am Straßenrand mit entsprechenden Sicherheitsübungen gehören zum Tagesprogramm. Der studentische Teamchef Max Ehl ist begeistert vom Engagement, mit dem sich alle ihren Aufgaben widmen: „Jeder hier weiß, dass wir nur mit perfekter Teamarbeit ganz vorne mitfahren können.“

Auf Testfahrt im Norden Australiens unterwegs: Der ThyssenKrupp SunRiser

Auf Testfahrt im Norden Australiens unterwegs: Der ThyssenKrupp SunRiser

Nachrichten auf allen Kanälen

 

Besonderen Wert haben die Bochumer in diesem Jahr auf eine lückenlose Berichterstattung gelegt. Die üblichen Social-Media-Kanäle werden mehrmals täglich bedient. Spätestens zum Start des eigentlichen Wettbewerbs soll zusätzlich für jeden Tag ein kurzer Videoclip auf Youtube die Ereignisse zusammenfassen. Das Tagebuch, auf den Webseiten unter der Abteilung „News“ zu finden, rundet mit einer Textfassung des Abenteuers und einer Bildergalerie das Informationsangebot ab.

Schwelm und New York

 

Nicht nur die Weltmeisterschaft in Australien steht in diesem Oktober im Terminkalender des deutschen SolarCar-Teams. In Schwelm wird dem Team am 17. Oktober, also einen Tag vor dem Start in Australien, der Deutsche Solarpreis in der Kategorie Transportsysteme verliehen. Prof. Dr. Friedbert Pautzke, Initiator des Projektes an der Hochschule Bochum, wird die Auszeichnung von der europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien EUROSOLAR entgegennehmen.
In New York werden ehemalige Teammitglieder Ende Oktober den ThyssenKrupp PowerCore SunCruiser, also den Vorgänger des aktuellen Solarcars, im Rahmen einer Präsentation zur Zukunft der Mobilität vorstellen. Organisiert wird diese Veranstaltung von National Geographic, eines der Leitmedien weltweit zu den Themen Umwelt, Natur und Wissenschaft. National Geographic USA plant eine Fernsehserie zu dem Thema. Kameraaufnahmen dafür sollen im Rahmen des Events entstehen.

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