Entladen: SunCruiser auf dem Lausitzring

Das Solarcar-Team macht umfangreiche Tests zum Energieverbrauch auf dem Testoval der DEKRA.
Perfekter Asphalt, 3 Spuren, endlose 5,8 Kilometer im Oval nur für den SunCruiser – optimale Bedingungen für ein Testwochenende, bei dem intensiv verschiedene Einflussfaktoren für den Energieverbrauch eines Sonnenwagens untersucht werden sollen. Die DEKRA, langjähriger Sponsorpartner des Teams, hatte dieses Wochenende möglich gemacht. Die über acht Stunden lange Anreise wurde schon am Freitag absolviert, am Samstag startet nach den üblichen Checks der Mechanik und Elektrik der Fahrbetrieb. Wie immer steht die Sicherheit an erster Stelle und daher wird zunächst mit langsamer Fahrt die Strecke in Augenschein genommen. Nachdem das Begleitfahrzeug mit der Sicherheitsausrüstung ausgestattet ist, wird auch der Batterienotfall getestet. In nur einer Minute ist das Fahrzeug evakuiert und die Batterien sind ausgebaut.
Jetzt können die eigentlichen Verbrauchstests beginnen. Jeweils 3 Runden werden mit Geschwindigkeiten von 50 bis 90 km/h in 10 km/h-Schritten gefahren. Am Steuer wechseln sich André Buß und Marcel Ahlgrimm ab. Teamneuling Julia Rose beginnt ihre Fahrerinnenausbildung, 130 Kilometer legt sie allein auf dem Oval zurück. Dabei wird die elektrische Leistung gemessen, die die Motoren braucht, um Rollreibungs- und Windwiderstandkräfte zu überwinden. Da in den jeweiligen physikalischen Formelzusammenhängen auch Exponenten erscheinen, ergeben sich nichtlineare Zusammenhänge, darstellbar in einem sogenannten Leistungspolynom. Die Koeffizienten dieses Polynoms bilden die Grundlage für alle strategischen Berechnungen während eines Solarcar-Wettbewerbes. Für 50 km/h zeigt die Messung unter 1.000 Watt, bei 90 km/h werden schon 3.000 Watt verbraucht und nicht etwa 1.800 Watt, wenn es nur lineare Zusammenhänge gäbe.
Neben Untersuchungen zu den Reifen und deren optimalem Luftdruck will das Team am Ende des ersten Testtages noch einmal prüfen, ob der sogenannte Paddelbetrieb wirklich effizient ist. Bei dieser Betriebsart wird bei konstanter Geschwindigkeit abwechselnd immer nur ein Motor eingeschaltet. Bisher wurde vermutet, dass dies energetisch günstiger wäre. Die Messungen unter Idealbedingungen auf dem Testoval können das aber nicht bestätigen.
Zum Übernachten geht es auf einen nahegelegenen Campingplatz. Der Anspruch auf Komfort wird zurückgeschraubt, denn das Geld soll in das neue Solarcar fließen, das auf den Rechnern in Bochum schon fast fertig konstruiert ist und wieder zusammen mit ThyssenKrupp im Rahmen einer Forschungskooperation entwickelt wird.
Am Sonntag wird zunächst untersucht, wie groß der Einfluss des Gewichtes auf den Verbrauch ist. Die Auswertung der umfangreichen Messtabellen in Bochum wird ergeben, wieviel Watt mehr für jedes zusätzliche Kilo Fahrzeuggewicht aufgebracht werden müssen.
Der Versuch zur Höchstgeschwindigkeit zeigt 105 km/h in der Spitze. Jetzt beginnt der wichtigste Teil der Tests für heute: Die Batterie soll komplett leer gefahren werden. Nur so kann konkret ermittelt werden, wieviel Energie das vollgeladene Batteriepack im Ernstfall des Wettbewerbes zur Verfügung stellt und wie weit damit bei welcher Geschwindigkeit gefahren werden kann. Bei diesem Versuch muss die Batteriespannung peinlich genau überwacht werden: Sinkt die Spannung der Lithiumionen-Zellen unter einen Minimalwert, werden sie unwiederbringlich zerstört. Bei 2,5 Volt Zellspannung schaltet das Batterieüberwachungssystem kurz nach 18 Uhr mitten auf der Strecke ab. Jetzt muss geschoben werden…
Für das Team bedeutet das Testwochenende ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung einer perfekten Strategie und eine gute Vorbereitung für den nächsten Wettbewerb, der im Oktober ansteht: Die Icon externer Link European Solar Challenge startet auf dem Circuit Zolder in Belgien.

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